Museumstreff in der Mittagspause

26.02.2020


Mittwoch, 26. Februar 2020 um 12.30 Uhr (20minütige Kurzführung durch die Ausstellung"



Töpfer, Meißen, Johann Joachim Kaendler, um 1750, Porzellan, Leihgabe der Peter und Irene Ludwig Stiftung, Sammlung Ludwig Bamberg, Foto: Thomas Wolf

In der Ausstellung „Was bin ich?“ steht die Festtafel als Ganzes im Mittelpunkt. Für die Tischdekoration ihrer Festtafeln gab die Aristokratie im 18. Jahrhundert ein Vermögen aus. Der gedeckte Tisch war einer der Höhepunkte luxuriöser Prachtentfaltung. Mit Porzellanfiguren holte man sich ganze Miniaturwelten auf die Desserttafel, beispielsweise Exotengruppen, Jagdszenen oder Allegorien.
Zu den beliebtesten Themenwelten gehörte jedoch das Leben der einfachen Menschen. Bauern und Handwerker. Musiker, Tänzer und Komödianten, fahrende Händler und Jahrmarktsfiguren bereicherten mit ihrer pittoresken, oft nicht bürgerlichen Erscheinung die Vielfalt der Tischdekoration.

 

Die naturgetreue, oft bis ins kleinste Detail beeindruckende Wiedergabe von Angehörigen der verschiedensten Schichten stellte jedoch keine Gesellschaftskritik im modernen Sinn dar, vielmehr sollten die Darstellungen zur Unterhaltung dienen. Gleichzeitig ist auch in den Figuren eine Sehnsucht nach den Sonnenseiten des Lebens ohne Krieg und Elend, Armut und Krankheit zu finden.

 

Ein besonderer Blick wird auch, trotz Idealisierung, auf die Arbeitswelt im 18. Jahrhundert gelenkt. Wir lernen Berufe kennen, die längst der Vergangenheit angehören, wie den Bänkelsänger, den Frettchenhändler oder die Galanteriewarenkrämerin. Die Figuren verraten uns einiges über die barocke Gesellschaft, über ihre Kultur ebenso wie über das Geflecht menschlicher Tätigkeiten, die in Gefahr sind, in Vergessenheit zu geraten.

 

Gerade in einer Region, die über Jahrhunderte durch den Bergbau und das Hüttenwesen geprägt war, ist es wesentlich die Veränderungen der Arbeitswelt ausgehend von den pittoresken Figuren des 18. Jahrhunderts zu thematisieren. Dabei kann die aktuelle Ausstellung zu Diskussionen über das heutige Verständnis von „Arbeit“ und die Auswirkungen der immer schneller veränderten Arbeitswelt dienen.


Neben den faszinierenden Original-Objekten werden ca. 12 Objekte in großformatigen Fotografien, die Thomas Wolf gemacht hat, in ungewöhnlichen Dimensionen präsentiert, um die kleinsten Details und die Schönheit der Figuren auf eine völlige neue Art und Weise sichtbar zu machen.

 

Eine Ausstellung in Kooperation mit der Sammlung Ludwig Bamberg und der Peter und Irene Ludwig Stiftung.

 

Mit dieser Ausstellung feiert die Ludwig Galerie Saarlouis ihr 30jähriges Bestehen.