Objekt der Woche

24.04.2020


Der Quacksalber



Frankenthal, Johann Friedrich Lück, um 1763, Porzellan, Bemalung mit Aufglasurfarben und Gold, Höhe: 21,6 cm

 

Leihgabe der Peter und Irene Ludwig Stiftung, Sammlung Ludwig Bamberg;

Foto: Thomas Wolf

 

Ein Quacksalber war auf den Jahrmärkten des 18. Jahrhunderts eine sehr geläufige Erscheinung. Ein solcher war für das „Große vollständige Universal Lexicon“ von 1732 jemand, „… der auf den Märckten herumziehet, und seine quacksalberischen Artzneyen mit vielem Schreyen und Aufschneiden dem ihn angaffenden Volcke anpreiset. In Summa jeder Pfuscher, welcher wider Wissen und Gewissen die Medicin exerciret, die Leute um das Geld, öfter auch um das Leben bringt.“


Bei der Frankenthaler Figur soll die elegante, modische Kleidung des Mannes den Anschein von Ehrbarkeit erwecken und das geckenhaft kostümierte Äffchen das Publikum anziehen. Mit weit ausgreifenden Gesten wendet sich der Scharlatan an seine Zuhörer, um seine auf dem Tischchen aufgebauten Arzneien anzupreisen. Dass er dabei von seinem tierischen Begleiter „nachgeäfft“ wird, verleiht der Gruppe ihren besonderen, ironisch gefärbten Reiz. Lebensvoll ist die Charakterisierung der Figur, bei der Haltung, Beiwerk und die Bemalung in grellen Farben sinnvoll ineinander greifen und das marktschreierische Gebaren dieses vermeintlichen Wunderdoktors überzeugend zum Ausdruck bringen. Der Quacksalber ist eine in mehreren Variationen überlieferte Figurengruppe von Johann Friedrich Lück, der von 1758 bis 1764 in Frankenthal Modellmeister war. Zuvor war er in Meißen (1741-1757) und Höchst (1758) gewesen. 1764 kehrte er an die Meißener Manufaktur zurück, wo er bis zu seinem Tode 1797 tätig war.